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Ökologische Bauteile findet man auf www.bauteilkatalog.ch. |
Mit Unterstützung von Stahlpromotion Schweiz führt das Stahlbau Zentrum Schweiz derzeit eine Kampagne durch mit dem Ziel, das nachhaltige Bauen in Stahl durch Bauberatung, Planungshilfen und Information zu fördern. Bereits Ende 2008 hatte das SZS den Nachweis für den hohen Recycling-Anteil in Stahlprofilen geliefert (Stahlträger und Profile 98%). In der KBOB-Empfehlung 2009/1 wurde der neue Wert für Stahlprofile berücksichtigt, ebenso in der SIA-Empfehlung 2032. Die KBOB-Daten greifen auf die weltweit eingesetzte Datenbank für Öko-Bewertungen Eco-Invent zurück. Der angepasste Recycling-Anteil führt nun zu wesentlich besseren Werten in der Gesamtbeurteilung von Bauteilen mit Stahl.
Der Bauteilkatalog wurde von der Vereinigung Eco-Bau entwickelt – der gemeinsamen Plattform der öffentlichen Bauherrschaften für nachhaltiges Bauen (www.eco-bau.ch). Der webbasierte, dynamische Bauteilkatalog von Eco-Bau bietet Planern eine ökologische Bewertung von rund 100 Baukonstruktionen. Per Mausclick werden U-Wert und aktuelle ökologische Kennwerte (UBP 06, Graue Energie und Treibhauseffekt) berechnet, tabellarisch sowie grafisch dargestellt. Damit sind verschiedene Bauteile ökologisch vergleichbar.
Der Bauteilkatalog wurde von einer Fachkommission der ETH Zürich und des SZS überarbeitet sowie mit aktuellen und optimierten Stahl-Bauteilen ergänzt. Nun liegen praxistaugliche Details mit ökologischer Bewertung vor.
SZS befragte Prof. Dr. Martin Mensinger, Lehrstuhl für Metallbau der Technischen Universität München (MM) über die Neuerungen im Bauteilkatalog.
Herr Prof. Mensinger, welche Lücken konnten im Bauteilkatalog geschlossen werden?
MM: Mit Hilfe der nun im Bauteilkatalog integrierten ökologischen Kennwerte können Bauteile des Stahl- und Stahlverbundbaus beurteilt und verglichen werden. Dies ermöglicht eine faire Betrachtung des Werkstoffes Stahl hinsichtlich seiner ökologischen Eigenschaften. Zudem wurden Kennwerte von Industriefassaden und Dachkonstruktionen integriert, womit eine wichtige Lücke im Bauteilkatalog geschlossen werden konnte.
Wie praxistauglich ist der Bauteilkatalog?
MM: Der Bauteilkatalog ist ein recht einfach und komfortabel zu bedienendes Instrument. Die neuen Stahlbaudetails sind voll in das System integriert.
Welche Aussagen können nun punkto Nachhaltigkeit im Vergleich zu anderen Baumaterialien gemacht werden?
MM: Bei ersten Vergleichen hat sich gezeigt, dass Stahlkonstruktionen deutlich besser abschneiden, als mancher erwartet hätte und mit den andern Baustoffen hinsichtlich Ökologie durchaus mithalten können. Teilweise sind sie sogar in ökologischer Hinsicht besonders attraktiv. Man muss sich aber bei solchen Vergleichen immer bewusst sein, dass letztendlich die Arbeitsqualität der Architekten und Ingenieure die Nachhaltigkeit eines Gebäudes wesentlich stärker beeinflusst als die Werkstoffwahl mit Hilfe von ökologischen Kennzahlen.
Welche Konsequenzen wird dies für den Stahlbau haben?
MM: Die Integration der Kenndaten in den Bauteilkatalog hilft dem Stahlbau als das wahrgenommen zu werden, was er ist: Eine moderne und nachhaltige Bauweise.
Wie werden die neuen, (bzw. längst bekannten) Erkenntnisse durch Architekten und Bauingenieure aufgenommen?
MM: Die nun mögliche quantitative Bewertbarkeit von Stahl- und Stahlverbundkonstruktionen hilft bisher stark emotional geprägte Gefühlentscheidungen für oder gegen einen Baustoff durch rationale zu ersetzen. Das ist sicher nicht nur ein Bedürfnis von Architekten und Ingenieuren, sondern auch von deren Kunden - den Investoren. Ich denke daher, dass die Erkenntnisse sehr gut aufgenommen werden.
Welcher Aufklärungsbedarf hinsichtlich nachhaltigem Bauen in Stahl besteht aus Ihrer Sicht gegenüber Planern, Behörden, Investoren und Bauherren?
MM: Wir haben nicht nur einen Nachholbedarf hinsichtlich der ökologischen und ökonomischen Effizienz unseres Baustoffs. Wichtig ist auch die Vermittlung des technischen Know-hows, z.B. in den Bereichen Schallschutz, Schwingungsschutz und Brandschutz. Stahlbau ist eben eine intelligente Bauweise für schlaue Planer und Nachhaltigkeit ist viel mehr als Ökologie.
Wie relevant sind diese Erkenntnisse für die Öffentlichkeit hinsichtlich Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsdebatte?
MM: Wir leben heute in einer Zeitenwende, weg von der durch fossile Energieträger möglichen Industriegesellschaft und hin zu einer neuen, in weiten Teilen noch unbestimmten Gesellschaftsform.
Die Entwicklung wird dabei wohl nicht so schnell verlaufen wie manche erwarten und wie es vielleicht nötig wäre. Trotzdem wird in Zukunft das Thema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewinnen. Das gilt besonders auch für Bauwerke.
Prof. Mensinger, danke für diese Einschätzung.
Links:

Sie finden die ökologischen Stahlbauteile unter www.bauteilkatalog.ch unter der Rubrik "BFE-Kataloge plus" per „Code“-Suche mit dem Stichwort „SZS“.